Energiewende an der Küste: Ausbau, Folgen und offene Fragen
Offshore-Wind ist längst mehr als Energieerzeugung. Dahinter steht eine komplette Wertschöpfungskette, von der Planung über die Fertigung bis hin zu Betrieb und Wartung. Häfen, Industrie, Zulieferer und Handwerk greifen ineinander, tausende Arbeitsplätze hängen daran. Beim Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Bildung beim Bundesverband Windenergie Offshore in Bremen Mitte Februar ging es genau um diese Entwicklung. Ein zentrales Thema war der wachsende Bedarf an Fachkräften. Schon jetzt zeigt sich, dass der Ausbau ohne ausreichend Personal nicht im geplanten Tempo funktionieren wird. Es geht um Ausbildung, um attraktive Standorte und um die Frage, wie Qualifikationen besser vergleichbar gemacht werden können. Auch die Rolle gesteuerter Zuwanderung wurde angesprochen.
Parallel dazu wird der Ausbau vor Ort immer konkreter. Trassenverläufe werden geplant, Projekte umgesetzt, Eingriffe werden sichtbar. Damit stellt sich ganz praktisch die Frage, wie die betroffenen Kommunen eingebunden werden. Viele Gemeinden tragen die Belastungen durch Leitungen, Baustellen und Infrastruktur, profitieren wirtschaftlich aber kaum davon. Die aktuelle Rechtslage führt dazu, dass gerade Durchleitungskommunen bei der Gewerbesteuer häufig außen vor bleiben.
Das betrifft nicht nur Trassen, sondern auch die Offshore-Windenergie selbst. Die Wertschöpfung konzentriert sich auf einzelne Standorte, während sich die Belastungen entlang der gesamten Küste verteilen. Gemeinden, die Kabeltrassen, Baustellen oder Infrastruktur aufnehmen, stehen vor zusätzlichen Anforderungen im Alltag, ohne dass sich dies in den Einnahmen widerspiegelt. Ein Ausgleich, der diese Unterschiede berücksichtigt, ist bislang nicht erkennbar. Hinzu kommen Probleme in der Umsetzung. Verteilnetzbetreiber sind nicht immer frühzeitig eingebunden. In der Folge stehen Anlagen, die nicht vollständig einspeisen können, weil Netzkapazitäten oder Anschlusspunkte fehlen. Der Ausbau von Erzeugung und Netzinfrastruktur läuft nicht durchgängig zusammen. Das führt dazu, dass vorhandene Kapazitäten nicht vollständig genutzt werden können.
Gleichzeitig zeigt sich an anderer Stelle, wie stark die Veränderungen bereits wirken. In der Küstenfischerei hat sich die Lage in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Fangmengen gehen zurück, Kosten steigen, zusätzliche Auflagen kommen hinzu. Offshore-Projekte, Kabeltrassen, Schutzgebiete und Sperrzonen greifen ineinander und reduzieren die nutzbaren Flächen. Genau deshalb setze ich mich für eine gerechtere Verteilung für alle betroffenen Kommunen ein.
Mit der geplanten Ausweisung weiterer Schutzgebiete verschärft sich diese Entwicklung zusätzlich. Für Niedersachsen steht ein erheblicher Teil des Küstenmeeres zur Debatte, der künftig nicht mehr befischt werden darf. Konkret geht es um rund zehn Prozent der Fläche, also mehr als 50.000 Hektar. Für die Betriebe ist das eine direkte Einschränkung ihrer wirtschaftlichen Grundlage.
Die einzelnen Punkte greifen ineinander: weniger Fläche, steigende Kosten und fehlende Planungssicherheit. Gleichzeitig kommen finanzielle Ausgleichsmechanismen bei den Betroffenen bislang nur eingeschränkt an. Einnahmen aus dem Ausbau der Offshore-Windenergie erreichen die betroffenen Bereiche nicht in dem Umfang, der ursprünglich vorgesehen war.
Energiewende, Infrastruktur und Naturschutz sind notwendig. Die aktuellen Entwicklungen machen uns jedoch mehr als deutlich: Der Ausbau allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob Infrastruktur, Umsetzung und Auswirkungen vor Ort zusammen gedacht werden.