Unsere Küstenfischer wollen weiter fischen
Die Diskussion um fischereifreie Gebiete im niedersächsischen Küstenmeer hat mich in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Das Land will künftig zehn Prozent des niedersächsischen Küstenmeeres als fischereifreie Gebiete ausweisen. Inzwischen liegt dafür eine konkrete Gebietskulisse von rund 54.500 Hektar vor. Für unsere Küstenfischer ist dabei nicht allein entscheidend, wie groß diese Fläche ist, sondern vor allem, wo sie liegt. Gleichzeitig wird der Platz auf See durch Schifffahrt, Infrastruktur, Kabeltrassen und den Ausbau der Offshore-Windenergie immer knapper. Wenn nun weitere Fanggebiete wegfallen, kann das gerade kleine, küstennahe Betriebe empfindlich treffen.
Seitdem ist einiges passiert. Die Fischer haben sich intensiv in den Niedersächsischen Fischereidialog eingebracht und konkrete Änderungsvorschläge vorgelegt. Auch die Gebietskulisse wurde im Laufe des Verfahrens angepasstFür die Küstenfischerei im Wangerland bleiben aber entscheidende Belastungen bestehen. Besonders deutlich wird das bei der Blauen Balje und Minsener Oog. Das Gebiet wird von Krabbenfischern aus Hooksiel und Horumersiel genutzt Die Jadefischer haben deshalb inzwischen selbst konkrete Alternativen für die Abgrenzung vorgelegt. Das zeigt für mich sehr deutlich: Hier geht es nicht darum, Schutzgebiete pauschal abzulehnen. Entscheidend ist aber, dass am Ende genügend Fangmöglichkeiten bleiben, damit die Betriebe weiter wirtschaftlich arbeiten können.
Gerade für die kleinen Kutter an der Jade ist das entscheidend. Die Fischer aus Hooksiel, Horumersiel und Varel weisen darauf hin, dass sie aufgrund der begrenzten Reichweite und Wirtschaftlichkeit ihrer Fahrzeuge nicht einfach auf weiter entfernte Fanggebiete ausweichen können. Ende Juli habe ich deshalb noch einmal das direkte Gespräch mit den Nebenerwerbsfischern gesucht.. Wer einen Dialog führt, muss sich mit diesen Vorschlägen ernsthaft auseinandersetzen und nachvollziehbar erklären, welche davon berücksichtigt werden können und welche nicht.
Die Landesregierung hat angekündigt, die Ausweisung der fischereifreien Gebiete mit finanziellen Hilfen zu begleiten. Im Raum stehen Landesmittel von rund einer Million Euro pro Jahr für einen noch festzulegenden Zeitraum. Doch Ausgleichszahlungen sind keine Antwort auf die eigentliche Frage. Unsere Küstenfischer wollen mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen.
Mit dem Fischereidialog ist die politische Arbeit deshalb für mich nicht beendet. Für die gesetzliche Festlegung der fischereifreien Gebiete ist ein parlamentarisches Verfahren notwendig. Einige weitere Fragen, unter anderem zu den Datengrundlagen und zu den geplanten Rangerbooten der Nationalparkverwaltung, habe ich inzwischen mit Kleinen Anfragen an die Landesregierung aufgegriffen.
Ich werde den weiteren Prozess eng begleiten. Für mich bleibt das Ziel sehr eindeutig: Der Schutz unseres Wattenmeeres und eine Zukunft für unsere Küstenfischerei müssen zusammen gedacht werden. Am Ende muss eine Perspektive stehen, mit der sie auch in Zukunft von ihrer Arbeit leben können.