„Vynova-Insolvenz zeigt: Industriearbeitsplätze geraten unter Druck“
Wilhelmshaven/Jever
Die Insolvenz der Vynova Wilhelmshaven GmbH ist kein überraschendes Einzelereignis. Sie ist das Ergebnis von Rahmenbedingungen, die energieintensive Industriestandorte seit längerem massiv unter Druck setzen. Seit längerem weisen Beschäftigte, Betriebsräte und Unternehmen auf wachsende Belastungen hin. Mit dem Insolvenzantrag werden die Folgen nun konkret. „Vynova ist das erste Unternehmen, das diese Entwicklung mit voller Wucht trifft. Es wäre naiv zu glauben, dass es das letzte bleibt“, erklärt Katharina Jensen MdL.
Bereits 2023 hatten Beschäftigte am Standort öffentlich vor zu hohen Energiepreisen und zu-nehmenden Wettbewerbsnachteilen gewarnt. Im November 2023 haben Mitarbeiter, Betriebsrat und Geschäftsleitung in Wilhelmshaven gemeinsam für einen Brückenstrompreis und klare politische Signale demonstriert. Katharina Jensen MdL war bei dieser Kundgebung vor Ort und hat bereits damals eine schnelle Reaktion der Politik eingefordert. Die Warnungen waren eindeutig und frühzeitig. Hinzu kommen zusätzliche Anforderungen aus europäischen Regelwerken, unter anderem bei Emissionsvorgaben und der PFAS-Regulierung. Zusammengenommen haben diese Faktoren den wirtschaftlichen Druck über einen längeren Zeitraum stetig erhöht.
„Gerade die SPD, die sowohl in Niedersachsen als auch auf Bundesebene seit mehreren Legislaturen politische Verantwortung trägt, hätte die Interessen eines energieintensiven Industriestandorts wie Wilhelmshaven entschlossener vertreten müssen“, so Jensen. „Wer erst dann reagiert, wenn Insolvenzen eintreten, betreibt Krisenverwaltung statt Industriepolitik.“
Zugleich werde deutlich, dass politische Aufmerksamkeit häufig erst dann entstehe, wenn wirt-schaftliche Schäden bereits eingetreten seien. „Für die Beschäftigten kommt dieses späte Handeln zu spät. Gerade in einem Industrieland wie Niedersachsen reicht es nicht, auf Bundeslösungen zu warten. Es braucht eigene Initiativen und echte Übergangslösungen.“ Zwar ist angekündigt, dass ein Industriestrompreis ab dem 1. Januar 2026 greifen soll. Doch für Betriebe, die bereits 2023 eindringlich auf ihre Lage hingewiesen haben, kommt diese Entlastung zu spät. Die Zeit davor ist politisch nicht ausreichend abgesichert worden. Die chemische Industrie ist Teil zentraler industrieller Wertschöpfungsketten. Gerät sie unter Druck, betrifft das nicht nur einzelne Betriebe, sondern auch Zulieferer, Dienstleister und ganze Regionen. „Vynova ist ein Warnsignal. Wenn jetzt nicht entschieden gegengesteuert wird, werden weitere Standorte folgen“, so Jensen abschließend.