Wolfsbewertung: Niedersachsen liefert Daten, Bayern Debatten
Jensen: „Was für die einen ein Naturschutzprojekt ist, ist für die anderen existenz-bedrohend“
Brüssel/Hannover/Jever
Niedersachsen hat sich durchgesetzt: Im aktuellen Habitatbericht an die EU-Kommission wird der günstige Erhaltungszustand des Wolfs für die atlantische Region – also auch für weite Teile des Nordwestens – offiziell festgestellt. Für Katharina Jensen MdL ist das nicht nur ein fachlich richtiger Schritt, sondern ein persönlicher politischer Erfolg: „Ich habe jahrelang dafür gekämpft, dass die Realität bei uns im Land endlich anerkannt wird, mit vielen Gesprächen, Debatten und natürlich auch gelegentlichen Rückschlägen. Aber jetzt ist es geschafft. Diese Entscheidung ist das Ergebnis harter politischer Arbeit und ein starkes Zeichen für unsere Region.“
Jensen hatte sich in Niedersachsen immer wieder dafür eingesetzt, den Wolf differenziert nach Belastung und Vorkommen zu bewerten. Denn die Küstenlandkreise mit ih-ren Deichen sind ganz besonders betroffen. „Ich möchte dabei nochmal an die Auricher Erklärung1“ erinnern, die aus einem starken Bündnis aus Jägerschaften, Landvölkern und Betroffenen entstanden ist“, ohne diesen Einsatz wären wir jetzt nicht da wo wir sind“, beton Jensen.
Besonders schwierig sei es gewesen, eine gemeinsame Linie zwischen den Ländern zu finden. „Einige Länder, allen voran Bayern, aber auch Hessen und Sachsen, woll-ten eine pauschale Einstufung für ganz Deutschland. Doch das wäre an der Wirklichkeit vorbeigegangen. Wir in Niedersachsen zählen längst über 40 Rudel. Bei uns reißen Wölfe regelmäßig Schafe, Kälber, sogar Rinder oder Pferde. In Bayern und Co gibt es deutlich weniger Vorkommen, das ist schlicht nicht vergleichbar.“
Dass sich nun die differenzierte Bewertung durchgesetzt hat, sei nicht nur ein Erfolg für die Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter, sondern auch ein Beleg dafür, dass Hartnäckigkeit in der Politik etwas bewegen kann. Mit der Entscheidung des Bundes sieht Jensen nun auch die nächste Aufgabe klar vor sich: „Brüssel hat geliefert, jetzt kann auch Berlin handeln. Die Voraussetzungen für ein echtes Wolfsmanagement sind geschaffen.“ Sie fordert, dass die Herabstufung des Schutzstatus auf EU-Ebene nun zügig in nationales Recht überführt wird, mit klaren Zuständigkeiten, verlässlichen Ver-fahren und echter Praxistauglichkeit: „Wir brauchen eine rechtliche Grundlage, damit Wölfe in problematischen Regionen schnell und rechtssicher entnommen werden können. Alles andere wäre eine Missachtung der Sorgen und Leistungen unserer Weidetierhalterinnen und -halter.“
Denn klar sei auch: „Wir brauchen ein Wolfsmanagement, das sich an der Realität auf der Fläche orientiert, an Zahlen, Erfahrungen und den Menschen, die täglich mit den Folgen umgehen müssen.“
1 In Ostfriesland hat sich ein Bündnis aus Jägerschaften und weiteren Organisationen gebildet, um die sogenannte “Auricher Erklärung” zu unterstützen, die sich für ein aktives Wolfsmanagement einsetzt. Ziel ist es, die Weidetierhaltung, insbesondere auf den Deichen, vor den wachsenden Wolfsbeständen zu schützen.